DIE STIFTUNG

Der Gelehrte, Kardinal und Bischof Nikolaus von Kues (1401–1464), auch Cusanus genannt, stiftete 1458 zusammen mit seiner Familie in seinem Geburtsort das St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift als Armen- und Altenheim. Nach dem Vorbild einer spätgotischen Klosteranlage ließ er das heute noch bestehende Hospital errichten und wählte den hl. Nikolaus von Myra zum Patron des Hauses. Hier sollten zunächst 33 arme und alte Männer aus der Umgebung von Kues eine dauerhafte Bleibe finden.

Im Einvernehmen mit seinen Geschwistern dotierte er die Stiftung mit dem reichen elterlichen Erbe, das vor allem aus Weinbergen und landwirtschaftlichen Gütern bestand. Das Hospital wurde zum Rechtsnachfolger und Universalerben, dem Cusanus den größten Teil seines Vermögens, darunter auch seine wertvolle Privatbibliothek, vermachte. Neben dem Wunsch über den Tod hinaus im Gedächtnis der Nachwelt erhalten zu bleiben, waren die Sorge um das eigene Seelenheil und vor allem aufrichtige christliche Nächstenliebe die entscheidenden Beweggründe zur Einrichtung der Stiftung.

Allen Kriegen, Krisen und Notlagen zum Trotz besteht die Stiftung nunmehr seit weit über 500 Jahren mit dem Ziel, die Erinnerung an Nikolaus von Kues und seine Familie wach zu halten sowie Senioren und Seniorinnen ein neues Zuhause zu bieten.

Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1XXX. 

Eine Übersetzung der Stiftungsurkunde finden Sie hier.   

STIFTER | NIKOLAUS VON KUES

1401 – 1464

Philosoph, Theologe, Kardinal und Mathematiker

Den Nächsten lieben
heißt Gott in seinem Bilde lieben.

Nikolaus von Kues (1401–1464)

Nikolaus von Kues (1401-1464), Spross einer aufstrebenden, wohlhabenden Kaufmanns- und Bürgersfamilie aus Kues an der Mosel, gehört zu den großen europäischen Denkern des 15. Jahrhunderts.
In einer Zeit der Unsicherheit und des Umbruchs, trat der junge Doktor des kanonischen Rechts vor allem als Kirchenpolitiker, als Konzilstheoretiker, als engagierter Streiter für die Einheit und Erneuerung der Kirche, als Kardinal, als Bischof und Landesherr von Brixen sowie als päpstlicher Legat und Generalvikar im Vatikan in Erscheinung. Als weltgewandter Diplomat bereiste er weite Teile Europas und verhandelte mit weltlichen und kirchlichen Machthabern. Seine profunde Bildung und seine weitgespannten Interessen trugen ihm den Ruf eines Universalgelehrten ein, der auch im Italien der Frührenaissance große Beachtung fand.

Die „Jagd nach der Weisheit“ stand im Mittelpunkt seiner Philosophie. Das Nachdenken über die Stellung des Menschen in der Welt, über die Bedeutung der Vielfalt der Weltdinge, über die Beziehung Gottes zu seiner Schöpfung und über die menschliche Erkenntnisfähigkeit trieb ihn zeit seines Lebens um.
Von seinem lebenslangen Suchen und Fragen geben seine zahlreichen Schriften beredtes Zeugnis. Das Spektrum der von ihm behandelten Themen reicht dabei von Reformvorschlägen für Kirche und Reich über die Auseinandersetzung mit den Weltreligionen, mit mathematisch-naturwissenschaftlichen Problemen bis zu philosophisch-theologischen Fragestellungen. Rund dreihundert erhaltene Predigten erweisen ihn überdies als gewissenhaften Seelsorger. Als hochherziger Stifter bleibt Nikolaus vor allem an seinem Geburtsort in Erinnerung, wo er 1458 das St. Nikolaus-Hospital/Cusanusstift gründete.

Lebensdaten in Auswahl

  • 1401 Geburt in Kues an der Mosel als Sohn des Schiffers und Kaufmanns Henne Kryfftz († ca. 1448) sowie der Bernkasteler Schöffentochter Katharina Roemer († 1427)
  • 1416/17 Grundstudium an der Universität Heidelberg
  • 1417–1423 Studium des Kirchenrechts in Padua, Promotion zum Doktor des kanonischen Rechtes
  • 1425 Aufenthalt in Köln als Lehrer des Kirchenrechtes sowie Studium der Theologie und Philosophie
  • 1427 Sekretär des Trierer Erzbischofs Otto von Ziegenhain (um 1380–1430) und Dekan des Stiftes St. Florin in Koblenz
  • 1430 Kanzler des Trierer Elekten Ulrich von Manderscheid († 1438); Beginn des Trierer Bistumsstreites (1430–1436)
  • 1435 Propst im Stift in Münstermaifeld
  • 1432–1437 Teilnahme am Konzil von Basel (1431–1449) als Abgeordneter der Trierer Kirche
  • 1433/34 Reformschrift ‚De concordantia catholica‘ (‚Von der allumfassenden Eintracht‘)
  • 1437/38 Reise nach Konstantinopel• 1438–1440 Entstehung seines Hauptwerks ‚De docta ignorantia‘ (‚Über die belehrte Unwissenheit‘)
  • 1438–1448 päpstlicher Gesandter auf den deutschen Reichs- und Fürstentagen
  • 1448 Ernennung zum Kardinal durch Papst Nikolaus V. († 1455)
  • 1450 Feierliche Erhebung zum Kardinal und Weihe zum Bischof von Brixen; ‚Idiota‘-Dialoge (‚Idiota de sapientia‘, ‚Idiota de mente‘, ‚Idiota de staticis experimentis‘)
  • 1451/52 Legationsreisen durch die deutschen Lande; Antritt seines Bischofsamtes in Brixen
  • 1453 Verfassen der Schriften ‚De pace fidei‘ (‚Vom Friede im Glauben‘) und ‚De visione Dei‘ (‚Von der Gottesschau‘)
  • 1452–1457 vergebliche Reformbemühungen im Bistum Brixen (u.a. der Abtei Sonnenburg) und schwelender Konflikt mit Herzog Sigismund von Tirol;
  • 1457 /58 Flucht in die Dolomitenfestung Andraz/Buchenstein; ‚De beryllo‘ (‚Der Beryll‘)
  • 1458 Rückzug an die päpstliche Kurie in Rom; Stiftung des St. Nikolaus-Hospitals in Kues• 1459 Ernennung zum Generalvikar des Kirchenstaates durch Papst Pius II. († 1464)
  • 1460 Rückkehr nach Brixen, Gefangennahme durch Herzog Sigismund in Bruneck; nach seiner Freilassung endgültiger Rückzug nach Rom;
  • 1460–1464 Entstehung verschiedener Schriften wie ‚Cribratio Alkorani‘ (‚Sichtung des Korans‘); oder ‚Dialogus de ludo globi‘ (‚Dialog über das Kugelspiel‘) usw.
  • 1464 Nikolaus Cusanus stirbt am 11. August in Todi in Umbrien.

Näheres zum Leben von Nikolaus von Kues:
Online-Plattform der ‚Acta Cusana Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues
Cusanus-Portal. Elektronische Publikation der „Opera Omnia“ des Nikolaus von Kues mit Lexikon, Übersetzung und Bibliografie


Die sinnlich wahrnehmbare Welt ist gleichsam ein
mit dem Finger Gottes geschriebenes Buch.

Nikolaus von Kues: Sermo 8, n. 16

DAS WAPPEN

Auf vielen Schlusssteinen im Kreuzgang, aber auch im gesamten Hospital findet sich das Familienwappen des Nikolaus von Kues, auf dem ein roter Krebs meist auf goldenem Hintergrund abgebildet ist und das sich vom moselfränkischen Familiennamen ‚Kryfftz‘ oder ‚Crifftz‘ für ‚Krebs‘ ableitet. Als Universalerbe des großen Gelehrten von der Mosel und seiner Familie führt das Hospital den Krebs bereits seit 1467 in seinen Insignien.

Ein zweites Wappen, das im Hospital ebenfalls häufig dargestellt ist, zeigt das Lamm Gottes als Wappen des Bistums Brixen, dem Nikolaus von Kues seit 1450 als Bischof und Landesfürst vorstand.
Die häufige Abbildung der beiden Wappen soll die Besucher*innen und Bewohner*innen an den Stifter sowie an seine Familie erinnern und sie ermuntern, für deren Seelenheil zu beten.

Aus Stolz über den berühmtesten Sohn der Stadt und der Region, der mit der Stiftung des Hospitals und vor allem seiner weltberühmten Bibliothek seinen Heimatort zu seiner zentralen Gedenkstätte auserkoren hat, wurde der Krebs mit Zustimmung des Hospitals in das Wappen der Stadt Bernkastel-Kues (1951) und des Kreises Bernkastel-Wittlich (1971) aufgenommen.

Wappen Bildunterschrift

DAS ALTENHEIM

Am 3. Dezember 1458 gründete Nikolaus von Kues in seinem Geburtsort ein „Armenhospital“, das 33 abgearbeiteten, alleinstehenden Männern über fünfzig aus Adel, Klerus und Bürgertum einen sorgenfreien Lebensabend ermöglichen sollte.
Er stattete es materiell so großzügig aus und gab ihm so kluge Statuten, dass es bis heute Bestand hat und seine Aufgabe als Altenheim erfüllt.

Seit Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts werden auch Frauen aufgenommen. Von 1989 bis 1994 wurde die mittelalterliche Stiftsanlage restauriert. Der Altenheimbereich wurde durch Einbeziehung des im Stiftsgelände gelegenen ehemaligen Moselkrankenhauses vergrößert und heutigen Anforderungen entsprechend modernisiert.
Seit Januar 2020 wird das Altenheim als eine gemeinnützige GmbH, der Cusanus-Stift gGmbH, geführt. Kontinuierliche Modernisierungen und Qualitätssicherung im Alten- und Pflegeheim Cusanusstift ermöglichen Wohnen und Pflege im Alter für bis zu 60 Seniorinnen und Senioren.

Alten-und Pflegeheim Cusanus-Stift gGmbH
Cusanusstr.2
54470 Bernkastel-Kues
www.cusanus-stift.com

Verwaltung Alten-und Pflegeheim Cusanus-Stift gGmbH Stiftsweg 1
54470 Bernkastel-Kues
Tel. 06531-955-0
E-Mail: b.heuer@cusanus-stift.de

DAS WEINGUT 

Die wirtschaftliche Grundlage des von Nikolaus von Kues gestifteten Armenhospitals beruht auf umfangreichem Grundbesitz. Dazu gehören rund 9 ha Weinberge in den besten Lagen der Mittelmosel.

An den steilen Schieferhängen werden fast ausschließlich Riesling-Reben angebaut. Das Weingut St. Nikolaus-Hospital zählt zu den ältesten Stiftungsweingütern in Europa und ist verpachtet an das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbH.


Das Weingut ist eines von 35 Mitgliedern beim „Bernkasteler Ring“. 
Hier gilt der Anspruch hochwertige Weine zu erzeugen, die dem Anbaugebiet nationales und internationales Ansehen als eine der besten Weinbauregionen der Welt verschaffen.

Teile der ehemaligen Wirtschaftsgebäude des St. Nikolaus-Hospitals im Stiftsgelände, wie z.B. das ehemalige Kelterhaus beherbergen heute ein Weinkulturelles Zentrum mit Weinmuseum und Vinothek Weinmuseum und Vinothek.

DRK – Sozialwerk Bernkastel-Wittlich gGmbH
Am Kurpark 18
54470 Bernkastel- Kues
Tel. 06531- 505-0
E-Mail: Info@drk-sozialwerk.bks-wil.de
Geschäftsführer: Carsten Müller-Meine

IHRE UNTERSTÜTZUNG FÜR DAS
ST. NIKOLAUS HOSPITAL/CUSANUSSTIFT

Insbesondere bei der Erhaltung der denkmalgeschützten Bausubstanz und im Hinblick auf notwendige Projekte ist das St. Nikolaus-Hospital / Cusanusstift auf Mithilfe von außen angewiesen.

Hierzu zählen die Bauwerksunterhaltung, die Innenrenovierung der spätgotischen Kapelle, die Restaurierung der Priester-grabsteine auf der Südseite der St. Nikolaus-Kapelle im Innenhof, die historischen Treppenstufen am Kapellenausgang zum Stiftsgarten oder eine Buchpatenschaft für die vielen kostbaren Handschriften.

Wir freuen uns, wenn Sie uns mit einer Ihrer Spende unterstützen – Ihre Spende hilft uns, das Erbe von Nikolaus von Kues aufrecht zu erhalten.

Hinweis: Die Spenden fließen nicht in den Wirtschaftsbetrieb, sie sind vom ideellen Bereich streng getrennt. 

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Es ist besser, miteinander zu sprechen
als gegeneinander Krieg zu führen.
Nikolaus von Kues: Epistula ad Ioannem de Segobia, 29. Dez. 1454

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