KAPELLE

Die Kapelle bildet das liturgische Zentrum des Hospitals. Aus baugeschichtlicher Perspektive stellt die Kapelle mit ihrer schlanken achteckigen Säule im Mittelpunkt des quadratischen Laienraumes ein herausragendes Beispiel der Spätgotik im Rheinland dar. Handelt es sich hierbei doch um eine der ersten spätmittelalterlichen Einstützenkirchen in der Region, die vielen Kapellen und Kirchen im Raum Eifel-Mosel-Hunsrück als Muster diente.

In Anlehnung an das klösterliche Stundengebet versammelten sich hier vor allem die geistlichen Pfründer des Hospitals mehrmals am Tag zu Gebet und Gottesdienst. Noch heute finden mittwochs und samstags, jeweils um 16.00 Uhr, in der Kapelle Messfeiern für die Bewohner statt, zu denen auch auswärtige Besucher herzlich eingeladen sind. Der Kapellenraum wird darüber hinaus regelmäßig für kirchliche Trauungen, geistliche Konzerte und kulturelle Veranstaltungen genutzt.

Informationen zu Seelsorge und Gottesdiensten finden sie hier.

GERICHTSBILD

An der Nordwand der Hospitalkapelle beeindruckt eine monumentale Wandmalerei aus dem 15. Jahrhundert mit einer Darstellung des ‚Jüngsten Gerichtes‘, in dessen Zentrum Jesus Christus als Weltenrichter auf einem doppelten Regenbogen thront.

Dabei wird er rechts und links von Maria und Johannes dem Täufer umgeben, während zu seinen Füßen die zwölf Apostel als Beisitzer des Gerichtes und Fürsprecher der Gläubigen knien. Darunter findet das eigentliche Geschehen des Jüngsten Gerichtes statt, d. h. die Gräber öffnen sich und die Verstorbenen werden entsprechend ihrer guten oder schlechten Taten entweder von Teufeln und Dämonen in den Höllenschlund gezerrt oder vom Apostelfürsten Petrus an der Himmelspforte empfangen.

An diesem Wandgemälde, das erst 1905 freigelegt und 1957/58 restauriert wurde, werden zentrale Gründe der Hospitalsstiftung verdeutlicht, nämlich die Erinnerung an den Tod und das Vollbringen von guten Werken als Jenseitsvorsorge.  

Bildunterschrift

HOCHALTAR

Zu den herausragenden Kunstwerken des St. Nikolaus-Hospitals gehört der Flügelaltar im Chorraum der Kapelle, ein Passionstriptychon, das vom ‚Meister des Marienlebens’ angefertigt wurde. Der vor allem in Köln tätige Künstler und seine Werkstatt wurden dabei deutlich von der altniederländischen Malerei beeinflusst.

Auf der Innenseite des geöffneten Hochaltares sind drei Szenen aus der Passion Christi zu sehen: die Dornenkrönung auf dem linken Seitenflügel, die Kreuzigung im mittleren Teil und schließlich die Grablegung auf dem rechten Flügel. Dabei ist vor allem die Kreuzigung in der Mitte von besonderer Bedeutung, da darauf Nikolaus von Kues als Stifter des Altares deutlich am Krebswappen und am roten Kardinalsornat erkennbar ist.

Aufgrund der kunsthistorischen Datierung des Altares auf die Zeit um 1460, handelt es sich hierbei um eine der ältesten Abbildungen des Kardinals, die wohl noch zu seinen Lebzeiten entstanden ist.

GRABMÄLER

Neben den Grabsteinen einiger Rektoren sind vor allem die beiden Grabmäler von Nikolaus von Kues und seiner Schwester Klara in der Hospitalskapelle von zentraler Bedeutung.

Die aus Sandstein angefertigte Grabplatte der Klara Kryfftz, die dem Trierer Bildhauer Peter von Wederath zugeschrieben wird, befindet sich heute im zugemauerten Eingang an der Südseite des Laienraumes. Die 1473 verstorbene Klara Kryfftz, ist darauf als wohlhabende Bürgerin und Repräsentantin der Trierer Oberschicht dargestellt, während die Inschrift vor allem die Verwandtschaft zu ihrem berühmten Bruder in Erinnerung ruft.

Beim zweiten Grabmal, das sich im Chorraum vor dem Hochaltar befindet, handelt es sich um das Herzepitaph des Nikolaus von Kues. Während der Körper des Kardinals in seiner Titelkirche San Pietro in Vincoli in Rom begraben wurde, wurde sein Herz nach Kues gebracht und hier in seiner Kapelle beigesetzt. Die Messinggrabplatte, die von seinem Sekretär Peter von Erkelenz 1488 in Auftrag gegeben wurde, wurde nach dem Vorbild des römischen Marmorgrabes angefertigt. Sie zeigt eindrucksvoll, wie sehr sich Nikolaus von Kues auch mit seiner Stiftung verbunden fühlte.  


Wenn wir also nicht zum Wissen Gottes, mit dem er die Welt erschuf,
vordringen, kommt der Geist nicht zur Ruhe.

Nikolaus von Kues: Trialogus de possest, n. 38

2021 © Cusanus